Interview: Fibromyalgie – Klinik am Steigerwald

Dr. Christian Schmincke ist Chefarzt und Gründer der Klinik am Steigerwald. Heute erklärt er Im Interview wie die Klinik Fibromyalgie mit Chinesischer Medizin behandelt, welche Erfolge die Therapie hat und warum sie gerade Menschen hilft, die von der Schulmedizin als austherapiert bezeichnet werden.

Vorweg: Die Erfolge der Klinik bei Fibromyalgie beruhen auf einem naturheilkundlichen Verständnis für die Erkrankung. Pro Jahr werden etwa 400 stationäre Patienten mit chinesischer Medizin behandelt. Der stationäre Krankenhausaufenthalt ist dann nötig, wenn die Patienten für eine ambulante Behandlung zu schwer erkrankt sind und bei Beginn der chinesischen Therapie mit Krisen zu rechnen ist. Dies trifft in der Regel auch auf Fibromyalgie-Patienten zu.

Herr Dr. Schmincke, wo liegt der große Unterschied einer nach Chinesischer Medizin arbeitenden Klinik, die Fibromyalgie behandelt?

Die Chinesische Medizin denkt nicht schulmedizinisch sondern naturheilkundlich. Das heißt: Sie sieht Krankheit immer als Störung des Gesamtsystems Mensch. Sie zielt immer auf eine Wiederbelebung und Lenkung der Selbstheilungskräfte und sie nimmt den Unterschied zwischen reiner Symptom-Unterdrückung und auf Heilung zielender Behandlung ernst und definiert genau, wann im Einzelfall die Heilbehandlung und wann die Symptombehandlung angezeigt ist. Damit sind echte Heilungen von Fibromyalgie in der Klinik möglich.

Warum sollten Patienten mit Fibromyalgie die Klinik aufsuchen?

Viele Fibromyalgie-Patienten tragen das Stigma „austherapiert“. Die Schulmedizin kann nichts mehr machen, wir schon. Unsere Dokumentationsstudie über zehn Jahre hat gezeigt, dass rund zwei Drittel der Patienten mit Fibromyalgie in der Klinik von der alternativen Behandlung langfristig profitieren.

Worin liegt das Geheimnis dieses Erfolges begründet?

Die Chinesische Medizin fußt auf fünf Säulen, also fünf Methoden. Die mit Abstand wichtigste davon ist die chinesische Arzneitherapie. Die Ärzte arbeiten mit Abkochungen aus getrockneten chinesischen Arzneipflanzen. Diese haben eine sehr kräftige Wirkung. Deshalb muss die Therapie von Fachleuten durchgeführt werden. Die zweite Säule bildet die Akupunktur, ein äußeres Verfahren. Dazu gehören auch Akupressur und Meridian-Massageformen. Die Tuina-Massage stellt die dritte Säule dar. Hinzu kommen die übenden Verfahren, das heißt Qi Gong, sowie die Diätetik, also die Behandlung mit Lebensmitteln, die in ihrer Wirkung wie Arzneimittel beschrieben sind. Über allem jedoch steht vor allem die chinesische Diagnostik, die sich fundamental von der westlichen unterscheidet.

Inwiefern?

Es handelt sich um eine ganzheitliche Diagnostik, die Organkrankheiten immer als Allgemeinkrankheiten versteht. Das entscheidende ist ja, was können wir in der Klinik bei Fibromyalgie erreichen. Wir möchten nicht nur das Symptom kurzfristig beseitigen, sondern einen Menschen gesund machen. Sie können eine Schmerzerkrankung wie Fibromyalgie mit Schmerzmitteln behandeln – also spürt der Patient vielleicht nichts mehr, aber er wird auch nicht gesund davon. Wenn ich diese Methode nicht anwenden will, dann muss ich überlegen, wo die Schmerzen herkommen und da findet die Schulmedizin nicht unbedingt die richtigen Antworten. Der Orthopäde macht zum Beispiel ein Röntgenbild nach dem anderen und kann dennoch den Schmerz im Röntgenbild nicht sehen. Sondern er sieht Dinge im Röntgenbild, die er für die Schmerzursache hält, die es aber in vielen Fällen gar nicht sind. Man kann Schmerz nun einmal nicht sehen, sondern man muss herausfinden, woher die Schmerzen kommen. Und da haben die Chinesen hervorragende Konzepte. 

 

Wie sehen diese Konzepte aus?

Die Informationen, die wir für die Behandlung der Fibromyalgie in der Klinik brauchen, erhalten wir durch eine intensive Befragung des Patienten. Die Vorgeschichte ist ganz wichtig. Wenn beispielsweise bei einem Patienten vor fünf Jahren Schmerzen aufgetreten sind, fragen wir: Was war vorher? Dann kommt vielleicht heraus, da war ein Infekt, eine Ehescheidung, man war arbeitslos,… . Da spielt die Psyche genauso rein wie das Wetter, das Immunsystem und so weiter. All das sind Puzzlestücke und wenn wir davon eine ganze Menge haben, dann ergibt das ein Bild und wir wissen, wie wir das Problem angehen müssen. Zusätzlich muss man den Puls tasten und die Zunge anschauen. Die erste Sitzung mit den Patienten kann so schon einmal zwei bis drei Stunden dauern. Erst dann steigen wir ein in die Therapie mit chinesischen Arzneimitteln. 

 

Und wie gehen Sie dabei mit schulmedizinischen Medikamenten um?

Wir überprüfen alle schulmedizinischen Medikamente, die der Patient nimmt. Manche kann man leider nicht absetzen – ein Diabetiker beispielsweise braucht sein Insulin –, aber viele eben schon. Gerade die Patienten mit Fibromyalgie in der Klinik können wir oft von Schmerzmitteln und Psychopharmaka wegbekommen. Und das ist auch die Achse unserer therapeutischen Bemühungen. Alles andere kommt flankierend hinzu.

 

Welchen Vorteil bietet eine stationäre Therapie?

Bei einer stationären Behandlung in der Klinik bei Fibromyalgie stehen die Patienten unter ständiger Kontrolle der Ärzte. Auf Körperreaktionen kann sofort reagiert und die Therapie je nach Verlauf individuell angepasst werden. In der Regel bleiben Patienten drei Wochen in der Klinik. Danach erfolgt eine ambulante Weiterbehandlung.



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