Fibromyalgie: Die Odyssee bis zur Diagnose

Reißende, brennende Schmerzen und ein Ziehen im ganzen Körper – so beschreiben Fibromyalgie-Patienten ihre Beschwerden. Täglich werden sie von Schmerzen gequält, die vor allem die Übergänge zwischen Muskeln und Sehnen betreffen. Nach einem amerikanischen System muss der chronische Muskelschmerz an mindestens elf der insgesamt 18 Druckpunkte – sogenannten „Tender Points“ - vorliegen, damit die Diagnose Fibromyalgie gestellt werden kann. Doch auch dieses Diagnose-System ist ungenau. Sind andere typische Symptome vorhanden, reichen oftmals schon weniger Punkte aus, um Fibromyalgie zu diagnostizieren. Manchen Patienten mit anderen Erkrankungen wird hingegen zu Unrecht die Diagnose Fibromyalgie verpasst. Was aber fast alle Fibromyalgie-Patienten eint, ist die Tatsache, dass sie oft eine Elend lange Zeit von Arzt zu Arzt laufen müssen, bevor sie einen Namen für ihr Leiden haben.

Zu 90 Prozent trifft die leidvolle Erkrankung Frauen, meist um das 30. Lebensjahr. Neben Dauerschmerzen kämpfen die Patienten täglich mit schwerer Abgeschlagenheit, Schlafstörungen und Depressionen. Dennoch steht die Schulmedizin der Krankheit meist hilflos oder manchmal sogar spöttisch gegenüber: Die Fibromyalgie gehört zu den am häufigsten missverstandenen Krankheiten unserer Zeit, sie lässt sich weder durch Labortests noch technische Untersuchungen nachweisen und wird daher von der Schulmedizin oft nicht ernst genommen.

"Röntgen -- kein Befund, Labor -- kein Befund, dann wird es wohl die Psyche sein" – nicht selten ist es das, was Fibromyalgie-Patienten erfahren. Als Hypochonder abgestempelt, dauert es nicht selten viele Jahre, bis Patienten eine richtige Diagnose gestellt bekommen. Stattdessen werden die Kranken als arbeitsscheu oder psychisch gestört abqualifiziert, was eine schwere Stigmatisierung für die Betroffenen bedeutet und nicht selten depressive Entwicklungen fördert.

Da sich die Ärzteschaft bis heute nicht einmal über die Art der Erkrankung einig ist, ist auch unklar, welche Fachärzte am ehesten zuständig sind. Am häufigsten werden Rheumatologen, aber auch psychiatrische Ärzte herangezogen. Zwar sind Rheumatologen in der Diagnose, also im Erkennen der Krankheit und im Ausschluss entzündlicher Gelenkserkrankungen gut geeignet, aber in der Therapie stoßen sie rasch an ihre Grenzen.

Tender Points sind nur ein Indiz

Charakteristisch für Fibromyalgie sind heftige Schmerzen an bestimmten Druckstellen des Körpers, den sogenannten "Tender points". Demnach muss der chronische Muskelschmerz an mindestens 11 der insgesamt 18 Tender Points vorliegen, damit die Diagnose Fibromyalgie gestellt werden kann. Die Druckstellen sind in folgenden Körperregionen lokalisiert: Hinterhaupt (beidseits), Halswirbelsäule (beidseits), Schultermuskulatur vorn (beidseits), Schultermuskulatur hinten (beidseitig), zweite Rippe (beidseits), Oberarm (beidseits), Beckenknochen (beidseits), Hüften (beidseits), Knie (beidseits).
Das Tender-Point-System ist allerdings aus unserer Sicht genauso ungenau in der Fibromyalgie-Diagnose, wie die Syndrombezeichnung Fibromyalgie. Wenn chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen seit mehr als drei Monaten bestehen, sich körperliche und geistige Erschöpfung nicht befriedigend mit Arbeitsüberlastung erklären lassen und sich ein nicht erholsamer Schlaf sowie chronische Erkältungsgefühle einstellen, kann es sich durchaus auch um eine Fibromyalgie handeln, auch wenn nur wenige Triggerpunkte dauerhaft schmerzen.

Nicht einzelne Symptome entscheidend, sondern der ganze Mensch

Eine Besonderheit der Chinesischen Medizin ist, dass sie die Symptomsprache des Menschen ernst nimmt und auf besondere Weise interpretiert. Dadurch gibt es Hoffnung für schmerzgeplagte Fibromyalgie-Patienten. Statt die Krankheit in einzelne Symptome zu zerlegen und den Patienten selbst an den Rand zu drängen, stehen die Betroffenen im Mittelpunkt der Therapie. Dazu gehört auch die Vorgeschichte, die zur Erkrankung geführt hat. Häufig finden Experten für Chinesische Medizin in der Vorgeschichte schwere Infekte, wie das Pfeiffersche Drüsenfieber (EBV-Infektion) oder Serien von Infekten. Auch berichten viele Patienten von einem dauernden latenten Erkältungs- oder Grippe-Gefühl. Die Temperatur kann leicht erhöht sein.

In der Schulmedizin gilt die Fibromyalgie als nicht heilbar. Als Therapie werden Entspannungstechniken, Bewegungs- und Psychotherapie und Medikamente wie Antidepressiva aber natürlich auch Schmerzmittel von Neuromedikamenten wie Pregabilin und Gabapentin bis hin zu Opiaten eingesetzt. Die Chinesische Medizin bietet dagegen völlig andere ganzheitliche Behandlungskonzepte, mit denen die Krankheit gelindert oder geheilt werden kann. Dabei liegt der Schwerpunkt der alternativen Therapie nicht auf der Schmerzvermeidung. Der Schmerzcharakter selber ist wichtige Diagnose-Instanz für die therapeutischen Bemühungen. Als besonders wirksam im Gesamtkonzept der alternativen Therapie hat sich die chinesische Arzneitherapie erwiesen, die speziell auf die Charakteristik des europäischen Organismus abgestimmt wird.


Weitere Artikel

Psychische Faktoren bei Fibromyalgie nicht entscheidend

Fibromyalgie kommt nicht vom Kopf

Die Chinesische Medizin sieht die Hauptursache für Fibromyalgie (FMS) im steckengebliebenen Infekt, also in einer Immunregulationsstörung. Daher treten psychische Faktoren für die alternative Medizin eher in den Hintergrund. Damit steht sie eher im Gegensatz zur schulmedizinischen Sicht. weiterlesen


Fibromyalgie: Die Symptome und ihre Deutung

Pulsdiagnose der Chinesischen Medizin

Wenn Muskeln und Gelenke schmerzen und Patienten von einem andauernden Erkältungs- und Fiebergefühl berichten, handelt es sich oftmals um das Fibromyalgie-Syndrom (FMS). Verwirrend vielfältige und häufig gleichzeitig auftretende Symptome zeichnen die fälschlicher Weise als Weichteilrheuma bekannte Erkrankung aus. Neben hoher Schmerzempfindlichkeit leiden Patienten unter anderem an Schlafstörungen und dauernder Abgeschlagenheit. Chronische Schleimhaut-Irritationen, Depressionen und eine allgemein labile Gemütsverfassung zählen darüber hinaus zu den typischen Symptomen. Fibromyalgie-Erkrankte leiden oft unerträglich lange, können kaum noch alltägliche Aufgaben bewältigen und berichten von zahlreichen erfolglosen Arztbesuchen. weiterlesen


Die fünf Säulen der Chinesischen Medizin bei Fibromyalgie

FMS-Patienten beim Qi Gong

Grundsätzlich basiert die Chinesische Medizin auf fünf Säulen. Die wichtigste ist die Arzneitherapie. Zudem spielen Qi Gong, Tuina-Massagen und die Ernährungslehre eine entscheidende Rolle für den Erfolg der Therapie. Bei der Fibromyalgie kommt auch den therapeutischen Gesprächen eine besondere Bedeutung zuteil. weiterlesen


Die Dokumentations-Studie der Klinik am Steigerwald

Fibromyalgie-Studie

Im November 1996 nahmen wir den ersten Patienten in unserer Klinik auf. Im August 1999 führten wir ein umfassendes Dokumentationssystem in unserer Klinik ein. Dieses ermöglicht uns noch heute Langzeitbeobachtungen vom Zeitpunkt der Aufnahme des Patienten bis zu zwei Jahre nach seiner Entlassung. Eine Dokumentationsstudie unserer Klinik belegt: Für rund zwei Drittel der von uns behandelten Erkrankten mit Fibromyalgie-Syndrom erzielten wir langfristig Besserung. Grafik anschauen