Behandlung mit Chinesischer Arznei (Phytotherapie der TCM)

Erfahrungsbericht einer Patientin mit Fibromyalgie

 

Jutta Berle-Schwerdtfeger
Der Bericht erschien in der Zeitung der Klinik am Steigerwald im Dezember 2005

Als ich am 7. 1. 2004 in die Klinik am Steigerwald kam, war ich an einem Punkt völliger Hoffnungslosigkeit angelangt. Zwar hatte man nach jahrelanger Suche die Ursache für meine heftigen Schmerzen und Erschöpfungszustände gefunden, doch da stand ich nun mit der Diagnose FIBROMYALGIE, ohne Aussicht auf Besserung. Ich war völlig verzweifelt, mein Lebenswille fast erloschen. Nicht einmal meine Familie konnte mir Kraft zum Weitermachen geben. Ich empfand meinen Körper nur noch als etwas Fremdes. Die Krankheit fraß sich wie ein Geschwür in immer mehr Bereiche meines Lebens. Freizeitaktivitäten mit den Kindern waren nur noch sehr selten möglich, meinen Beruf als Ergotherapeutin konnte ich schon seit 2000 nicht mehr ausüben. Es ging nur noch bergab bis hin zu Tagen völliger Bewegungsunfähigkeit. In der Klinik am Steigerwald war es für mich wie ein Wunder, dass es plötzlich Ärzte gab, die mich als ganzen Menschen sahen, die mich ernst nahmen und mir die Möglichkeiten der TCM bei meiner Krankheitskonstellation genau erklärten. Allerdings wurde ich auch darauf hingewiesen, dass ich aufgrund der langen Krankheitsdauer von 20 Jahren mit einer Therapiedauer von fünf Jahren rechnen könnte mit wellenförmigem Verlauf.

Anfangs ging es schnell bergauf, und nach einer Woche hatte ich meine ganz besondere Erfahrung: Nach einer Körpertherapie hatte ich für 24 Stunden keine Schmerzen mehr!! Der 14.1.05 wurde zu meinem 2. Geburtstag. Er ist wie ein Leuchtturm in stürmischer See. Als ich nach fünf Wochen mit deutlich gebesserten Schmerzen nach Hause ging, kam der Alltagstest. Nach den Wochen auf dem "Zauberberg" war die Eingewöhnung in ein turbulentes Familienleben nicht leicht, aber dann ging alles besser als erwartet, nicht zuletzt durch die liebevolle Unterstützung der ambulanten Betreuung. Ich erlebte den besten Sommer seit 5 Jahren.

Leider kam dann die Erkältungszeit und mein erster Infekt rutschte gleich wieder in die Muskeln und löste einen heftigen Fibromyalgieschub aus, sodass ich erneut dreieinhalb Wochen stationär in die Klinik gehen musste. Aber nachdem sich die Trauer über dieses Tief mit Hilfe meiner Ärztin wieder gelöst hatte, konnte ich feststellen, dass die Therapien diesmal viel schneller griffen. Es kam wieder positive Bewegung in meinen Heilungsprozess, aber es wurde mir auch klar, dass es wohl noch öfter schwierige Phasen geben würde. Aber: Ich habe die Angst vor einem möglichen Tief verloren, weil ich weiß, dass ich und wo ich Hilfe bekommen kann. Außerdem kann ich jetzt rückblickend sagen, dass die schwarzen Löcher nicht mehr so tief sind wie früher. Das Licht des Leuchtturms ist nie mehr aus dem Blick geraten. Ich habe meinen Lebensmut wieder gefunden und dank der Therapie Möglichkeiten aufgezeigt bekommen, wie ich mit meiner Krankheit leben kann. Ich habe im vergangenen Jahr so viel erreicht und werde diesen Weg mit all seinen Höhen und Tiefen auf jeden Fall weitergehen.

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